Thrombozyten - Blutplättchen

Thrombozyten, auch bekannt als Blutplättchen, stellen einen wichtigen Bestandteil des Blutes dar und sind notwendig für die Blutgerinnung. Erhöhte oder zu niedrige Werte können auf verschiedene Krankheiten im Zusammenhang mit der Blutbildung im Knochenmark hinweisen. Ermittelt wird die Anzahl der Thrombozyten durch das kleine Blutbild bei Routineuntersuchungen oder bei Verdacht auf eine Erkrankung.

Bestandteile des Blutes sind unter anderem weiße sowie rote Blutkörperchen und die Blutplättchen.Bestandteile des Blutes sind unter anderem weiße sowie rote Blutkörperchen und die Blutplättchen. (Foto by: galactarte / Depositphotos)

Definition: Was sind Blutplättchen?

Neben den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und den Leukozyten (weiße Blutkörperchen) gehören die Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, zu den sogenannten korpuskulären, also zellulären Bestandteilen des menschlichen Blutes.

Sie haben ein Größe von zwei bis vier Mikrometern, so dass sie nur unter dem Lichtmikroskop zu erkennen sind.

Wie die anderen Blutzellen auch, so werden auch die Thrombozyten im roten Knochenmark gebildet. Die Entstehung der Thrombozyten im roten Knochenmark wird auch als Thrombopoese bezeichnet.

Aus einer pluripotenten Stammzelle entsteht zunächst eine Riesenzelle, der Megakaryoblast. Im weiteren Prozess der Differenzierung und Ausreifung unter Einfluss des Hormons Thrombopoetin entsteht ein Megakaryozyt. Diese Zelle zerfällt schließlich in bis zu 8 Proplättchen, woraus dann durch weiteren Verfall die eigentlichen Thrombozyten entstehen, welche dann in die Blutstrombahn abgegeben werden und unmittelbar ihre Funktion aufnehmen können.

Aus nur einem Megakaryozyt entstehen letztendlich etwa 1000 Thrombozyten.

Funktionen und Aufgaben im Körper

Blutplättchen spielen eine immense Rolle bei der Blutgerinnung. Ohne die Anwesenheit von Thrombozyten findet im Falle einer Verletzung keine Blutgerinnung statt. Obwohl die Blutgerinnung auch noch von anderen wichtigen Faktoren abhängt, sind die Thrombozyten dennoch ein wichtiger Bestandteil dieser sogenannten Gerinnungskaskade. Am Ende dieser Kaskade erfolgt der Wundschluss durch einen Pfropf, auch an diesem biologischen Vorgang sind die Blutplättchen beteiligt.

Nicht nur bei äußerlichen Verletzungen sind die Thrombozyten zur Blutstillung wichtig, sondern auch innerhalb des Gefäßsystems. Durch die Anwesenheit von Thrombozyten im Blut wird die Unversehrtheit aller Blutbahnen stets sichergestellt. Auch Mikroverletzungen beispielsweise durch Thromben werden durch Thrombozyten wieder abgedichtet. Dieser Prozess wird auch als intravasale, also in den Gefäßen selbst stattfindende Blutgerinnung bezeichnet. Innerhalb des Gefäßsystems befinden sich die Thrombozyten zunächst in einer inaktiven Funktion.

Zur Aktivierung der Gerinnungskaskade mit anschließender Thrombozytenaggregation, also einer Zusammenballung von Blutplättchen, kommt es nur durch innere oder äußere Verletzung.

Lebensdauer der Thrombozyten

Die Blutplättchen werden im Knochenmark ständig nachgebildet, die Lebensdauer beträgt maximal 8-12 Tage. Nach bisherigem Kenntnisstand werden alte Thrombozyten in der Leber abgebaut und über den Pfortaderkreislauf aus dem Organismus ausgeschieden.

Normwert: Welche Thrombozytenwerte sind normal?

Ermittelt wird die Anzahl der Thrombozyten durch das kleine Blutbild.Ermittelt wird die Anzahl der Thrombozyten durch das kleine Blutbild. (Foto by: ivanriver / Depositphotos)

Die normalen Werte für die Anzahl an Thrombozyten pro Mikroliter Blut sind abhängig vom Alter und liegen bei Kindern höher als bei Erwachsenen.

  • Neugeborene: 100.000 – 250.000 pro Mikroliter Blut
  • Kinder u. Jugendliche: 200.000 – 400.000 pro Mikroliter Blut
  • Erwachsenen: 150.000 – 350.000 pro Mikroliter Blut

Tages- oder jahreszeitliche Schwankungen können der Auslöser für erhöhte oder erniedrigte Untersuchungsergebnisse sein, denen keine Erkrankung zu Grunde liegt.

Auch können die Normwerte von Labor zu Labor unterschiedlich angegeben werden.

Die Bestimmung der Thrombozytenwerte im Labor erfolgt heutzutage in einem automatisierten Verfahren mittels Durchflusszytometrie. Es ist darüber hinaus eine manuelle Zählung unter dem Lichtmikroskop möglich, dies ist jedoch aufwendig und zeitintensiv und auch nicht so genau, wie die maschinelle Messung.

Thrombozytenfunktionstest

Mit dem Thrombozytenfunktionstest ist es darüber hinaus möglich, Störungen der Thrombozytenfunktion zu erkennen. Denn bei einer sogenannten Thrombozytopathie sind zwar genug Blutplättchen im Blut anwesend, sie sind jedoch in ihrer Funktion gestört und können dann ihre wichtige Aufgabe bei der Blutgerinnung nicht oder nur eingeschränkt erfüllen.

Thrombozyten-Wert zu niedrig: Ursachen und Behandlung

Bei einem Wert unter 150.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut wird von einer Thrombozytopenie gesprochen.

Sind zu wenig Thrombozyten vorhanden, treten häufiger Blutungen auf und die Dauer bis zur Stillung verlängert sich.

In leichten Fällen äußert sich eine zu geringe Anzahl an Thrombozyten durch eine erhöhte Neigung zu Hämatomen oder Nasenbluten. Fällt die Menge jedoch auf unter 1.000 Blutplättchen, können vermehrt Blutungen auftreten bei denen keine Verletzungen vorliegen oder die so stark sind, dass sie lebensbedrohlich werden.

Ursachen

Bei Hormonschwankungen, beispielsweise in der Schwangerschaft aber auch durch eine Vielzahl von Infektionskrankheiten oder angeborenen Blutgerinnungsstörungen kann die Thrombozytenzahl signifikant erniedrigt sein.

Weitere Ursachen für eine Verminderung der Thrombozyten können sein:

Vor geplanten Operationen sollte stets eine Thrombozytenzahl von mindestens 50.000 pro Mikroliter Blut angestrebt werden, damit es nicht zu unstillbaren Blutungen kommt. Um dieses Ziel zu erreichen, stehen bestimmte Medikamente zur Verfügung, welche die Produktion von Thrombozyten im roten Knochenmark anregen können.

Die Bestimmung der Thrombozytenwerte im Labor erfolgt heutzutage in einem automatisierten Verfahren.Die Bestimmung der Thrombozytenwerte im Labor erfolgt heutzutage in einem automatisierten Verfahren. (Foto by: fotoquique / Depositphotos)

Erhöhter Thrombozyten-Wert

Fällt eine Vermehrung der Thrombozyten im Blutbild auf, so ist diese stets abklärungsbedürftig und die jeweilige Ursache sollte ganz genau ermittelt werden, um eine kausale, also ursachenbezogene Therapie einleiten zu können.

Von einer Thrombozytose spricht man, wenn die Anzahl der Thrombozyten über 500.000 pro Mikroliter Blut ansteigt.

Liegt die Anzahl der Blutplättchen zwischen 500.000 – 700.000 pro Mikroliter, handelt es sich um einen leicht erhöhten Thrombozytenwert, zwischen 700.000 – 900.000 pro Mikroliter wird die Zunahme als moderat bezeichnet, erst wenn die Menge 900.000 pro Mikroliter Blut übersteigt, besteht das Risiko für eine verstärkte Blutgerinnung und die daraus resultierende Gefahr eines Gefäßverschlusses.

Eine Thrombozytose ist meist zeitlich begrenzt und eine Folge von Infektionen, da der Körper darauf mit einer vermehrten Herstellung von Thrombozyten reagiert. So kann ein erhöhter Wert auf eine Entzündung im Körper hinweisen.

Eine weitere häufige Ursache von zu hohen Thrombozytenwerten sind gutartige oder bösartige Knochenmarkserkrankungen. Bestimmte rheumatische Erkrankungen aber auch Eisenmangel oder die Nebenwirkungen von Medikamenten können zu einer Thrombozytose führen.

Weitere Ursachen können sein:

Weitere Gründe, die zu einem Anstieg der Thrombozytenmenge führen sind:

  • starke körperliche Belastungen
  • Stress, Angst, Depression
  • hoher Blutverlust
  • Entfernung der Milz
  • Krebserkrankung
  • Schwere chronische Entzündungen

Bei einem geringen Prozentsatz der Betroffenen bleibt die Ursache jedoch ungeklärt, Ärzte sprechen dann auch von einer hereditären Thrombozytose.

Eine ausreichenden Flüssigkeitszufuhr tagsüber führt über den leichten Verdünnungseffekt auch dazu, die Thrombozytenzahl temporär zu senken. Bei Patienten mit Nierenerkrankungen und gleichzeitiger Thrombozytose sollte die tägliche Trinkmenge allerdings nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt angepasst werden.

Thrombozytenaggregationshemmung

Um die Neigung zur Zusammenballung der Blutplättchen zu unterdrücken, werden sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer verordnet. Der bekannteste Vertreter dieser Medikamentengruppe ist die Acetylsalicylsäure. Zur Thrombozytenaggregationshemmung müssen Patienten meist eine geringe Dosierung von höchstens 100 mg täglich über einen längeren Zeitraum einnehmen.


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